[Deutsch] – Interview mit Ralf Ruckus zum Buch The Communist Road to Capitalism. How Social Unrest and Containment Have Pushed China’s (R)evolution since 1949 (Oakland: PM Press, 2021). Das Interview führte Kevin Lin am 12. Juni 2021 im Rahmen der Webinar-Serie “China and the Left”. Die Interview-Abschrift erschien im Buch China von unten. Kritische Analyse & Soziale Kämpfe (2023).[1]
Kevin Lin (KL): Hallo und herzlich willkommen zur letzten Ausgabe der Gongchao-Serie „China and the Left – Critical Analysis and Grassroots Activism”. Es ist nur angemessen, dass wir diesmal mit Ralf Ruckus sprechen. Ralf hat viel dazu beigetragen, dass diese Reihe zustande gekommen ist. Ich will ein paar Worte zu ihm und seinem Vortrag sagen. Ralf ist seit Jahrzehnten in sozialen Bewegungen in Europa und Asien aktiv und hat Texte über soziale Kämpfe in China und anderswo veröffentlicht und übersetzt. Ich habe Ralf im Jahr 2011 zum ersten Mal getroffen, und schon damals hatte er sich seit Jahren mit China und dortigen Arbeitskonflikten beschäftigt. Im Juli 2021 erscheint sein neues Buch im Verlag PM Press unter dem Titel The Communist Road to Capitalism. How Social Unrest and Containment Have Pushed China’s (R)evolution since 1949. Das Buch kommt zur rechten Zeit, denn wir befinden uns im Jahr des hundertjährigen Bestehens der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), das offiziell am 1. Juli, also in etwa zwei Wochen, gefeiert wird.
Das Buch erzählt die Geschichte der Volksrepublik China aus der Perspektive des Klassenkampfes von unten. Für Ralf ist trotz der Turbulenzen und Brüche in der Geschichte der Volksrepublik China eine Konstante geblieben: die Herrschaft der KPCh. Die Partei selbst hat sich seit ihrer Machtübernahme 1949 immer wieder gewandelt, in der sozialistischen Phase bis Mitte der 1970er Jahre, in der Übergangs- oder Reformphase bis Mitte der 1990er Jahre und in der darauffolgenden kapitalistischen Phase. In jeder dieser Phasen, so argumentiert Ralf, wurde die Entwicklung der Volksrepublik China vorangetrieben durch ein Kräftespiel aus sozialen Kämpfen von unten und Gegenmaßnahmen des KPCh-Regimes von oben. Letztere waren eine Mischung aus Repression, Zugeständnissen, Kooptation und Reformen. Diese Argumentationslinie macht das Buch so wichtig. Ralf erzählt die Geschichte eines Kapitalismus in der Volksrepublik China, der nicht trotz oder gegen den Sozialismus, sondern wegen dieses Sozialismus entstanden ist. Ohne weitere Umschweife, Ralf, Du hast das Wort!
Ralf Ruckus (RR): Vielen Dank, Kevin, für diese freundliche Einführung. Ich werde drei Punkte aufgreifen, die Du bereits in Deiner Einführung angedeutet hast. Der erste Punkt ist die Periodisierung der Geschichte der Volksrepublik China, die ich in diesem Buch verwende; der zweite Punkt ist das Muster der Kämpfe von unten gefolgt von Gegenmaßnahmen von oben; und der dritte Punkt sind die Veränderungen des politischen, des wirtschaftlichen und des patriarchalen Systems in den letzten siebzig Jahren. Enden werde ich mit einigen Schlussfolgerungen und Fragen.
Das Buch ist als politische Intervention in die Debatte über die Geschichte der Volksrepublik China gedacht – vor allem in die Debatte innerhalb der Linken, die in den letzten Jahren intensiver geworden ist. Ich sage hier politische Intervention, denn das Buch erzählt einerseits die Geschichte sozialer Kämpfe, politischer Entwicklungen und wirtschaftlicher Krisen, und andererseits bewertet es den revolutionären Versuch der Kräfte hinter der KPCh, eine Gesellschaft ohne kapitalistische Ausbeutung und patriarchale Unterdrückung aufzubauen.
Wie bin ich dieses Projekt angegangen, in dem es um die Untersuchung einer so langen historische Phase geht? Das ist mein erster Punkt, die besondere Periodisierung, die ich verwende. Wenn wir die siebzig Jahre der Existenz der Volksrepublik China betrachten, können wir einerseits viele Brüche erkennen – Krisen, Kämpfe, Kampagnen – und andererseits eine wichtige Kontinuität: Eine Partei war während des gesamten Zeitraums an der Macht. Diese Partei feiert nun also nicht nur ihr einhundertjähriges Bestehen, sondern auch die Tatsache, dass sie seit mehr als siebzig Jahren in diesem Land an der Macht ist.
In der politischen Linken finden wir in der Regel drei verschiedene Positionen zur Charakterisierung der Volksrepublik China. Die erste Position besagt, dass die Volksrepublik China immer sozialistisch war und auch noch ist. Dies ist übrigens auch die Position der derzeitigen KPCh-Führung. Die zweite Position besagt, dass die Volksrepublik China nie sozialistisch war, sondern durchgehend kapitalistisch. Das findet man in einigen älteren Texten, zum Beispiel von Anarchist:innen, aber auch in neueren Texten, über die wir später noch sprechen können. Die dritte Position besagt, dass die Volksrepublik China sowohl sozialistisch als auch kapitalistisch gewesen ist: In der ersten Hälfte ihres Bestehens war sie demnach sozialistisch, und in der zweiten Hälfte, seit dem Beginn der Reformen in den späten 1970er Jahren, wurde sie dann kapitalistisch.
Ich vertrete eine Variante der dritten Position. Es gab Bruch und Übergang, und meiner Meinung nach fand dies in zwei Phasen statt: in einer Übergangsphase zwischen der Gründung der Volksrepublik China 1949 und 1955/56, als die Planwirtschaft tatsächlich eingeführt wurde; und in einer zweiten Übergangsphase vom Beginn der Reformen Ende der 1970er Jahre bis Mitte der 1990er Jahre und dem Anfang des Kapitalismus. Ich erkenne also vier Phasen oder Perioden: Übergang, Sozialismus, Übergang, Kapitalismus. Das Buch folgt diesen Perioden mit jeweils einem Kapitel, und jedes Kapitel besteht aus mehreren Unterkapiteln.
Mein zweiter Punkt bezieht sich auf eine zentrale Beobachtung, die ich während der Untersuchung und Recherche für dieses Buch gemacht habe. Während der drei Hauptperioden, also Sozialismus, Übergang zum Kapitalismus und Kapitalismus, können wir ein ähnliches Muster erkennen: auf Kämpfe von unten, die unterschiedliche Formen annahmen, folgten jeweils Gegenmaßnahmen von oben, also vom KPCh-Regime.
Dieses Muster lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Am Anfang jeder Periode stand ein großer sozialer Aufstand, eine Bewegung von Arbeiter:innen, Bäuerinnen und Bauern oder Student:innen, auf die das Regime mit Gegenmaßnahmen reagierte. Diese Gegenmaßnahmen waren eine Mischung aus Repression, die in vielerlei Hinsicht vorherrschend war, wiederholten Zugeständnissen an die Forderungen der Kämpfe sowie der Kooptation von Personen, die an den Kämpfen beteiligt waren, oder von Themen, die in diesen Kämpfen angesprochen wurden. Darauf folgten in der Regel größere Reformbemühungen. Diese Gegenmaßnahmen und Reformen trugen dann zur Entwicklung eines zweiten großen Aufstands bei, auf den dann eine weitere Mischung aus Gegenmaßnahmen und Reformen folgte. So erkenne ich in jeder Periode – Sozialismus, Übergang und Kapitalismus – je zwei Zyklen von Kämpfen und Gegenmaßnahmen.
Es würde zu lange dauern, jetzt und hier alle drei Perioden durchgehen. Ich werde also nur über die sozialistische Periode sprechen, um diesen Punkt deutlicher zu machen. Unmittelbar nach der Einführung der Planwirtschaft kam es Mitte der 1950er Jahre zu einer ersten Welle von Arbeiterunruhen und Regimekritik vor und während der so genannten Hundert-Blumen-Bewegung 1956 und 1957. Das Regime reagierte anfangs mit Zugeständnissen, schlug dann jedoch mit harter Repression zurück, die zunächst Teil der Anti-Rechtsabweichler-Kampagne von 1957 war. Im Jahr 1958 leitete das Regime eine umfassende Reform ein, den „Großen Sprung nach vorn“, der in vielerlei Hinsicht scheiterte. Auf diesen folgten Anfang der 1960er Jahre weitere Reformbemühungen und verschärfte Konflikte in der Parteiführung.
Die zweite Welle großer Kämpfe fand während der Kulturrevolution statt in Form von Arbeiterunruhen bestimmter Gruppen – Kämpfe, die das Regime als „ökonomistisch“ bezeichnete – und von Widerstand der Rebell:innenbewegung. Das Regime reagierte wiederum mit gewissen Zugeständnissen, und ein Teil der Rebellenanführer:innen wurde kooptiert und in die Parteiführung integriert. Dies ging einher mit der harten Unterdrückung des „Ökonomismus“ und eines großen Teils der Rebell:innenbewegung durch die KPCh-Führung, die auch die Armee einsetzte. Darauf folgten Anfang der 1970er Jahre neue Reformbemühungen, eine Art Konsolidierung und der Versuch, die sogenannten Vier Modernisierungen durchzuführen. Dies scheiterte zunächst, doch bald darauf endete die sozialistische Periode mit dem Tod zweier wichtiger Führer, Zhou Enlai und Mao Zedong, im Jahr 1976 und mit dem Putsch gegen die sogenannte Viererbande im selben Jahr.
Die nächste Periode oder Übergangsphase begann wie die vorangegangene sozialistische und die darauffolgende kapitalistische Periode mit einer Welle großer Kämpfe. In diesem Fall mit Arbeiterunruhen und den sogenannten Demokratiebewegungen, die Mitte der 1970er Jahre begannen und sich Ende der 1970er Jahre fortsetzten.
Dies war ein kurzer Durchlauf durch eine der drei wichtigen Perioden. Im Buch gehe ich natürlich ausführlicher darauf ein und folge genauer der Chronologie der Ereignisse. Meiner Ansicht nach wurde die historische Entwicklung der Volksrepublik China durch dieses Kräftespiel der Kämpfe von unten und der Gegenmaßnahmen von oben vorangetrieben. Natürlich erklärt diese Dynamik nicht alle Entwicklungen in der Volksrepublik China. Deshalb beziehe ich im Buch auch andere wichtige Faktoren mit ein, zum Beispiel die sich verändernde Position und Rolle der Volksrepublik China im globalen System der Nationalstaaten und auch die Beziehungen der Volksrepublik China zu anderen sozialistischen Ländern wie der Sowjetunion und später zu den Vereinigten Staaten. Ich befasse mich auch mit der Etablierung und Transformation der neuen sozialistischen Führungsschicht sowie mit Konflikten und Fraktionierungen innerhalb der KPCh-Führung in jeder Periode.
Nun komme ich zu meinem dritten Punkt. Das Muster der Kämpfe und Gegenmaßnahmen dient im Buch als Grundlage einer historischen Matrix. Ich betrachte die Veränderungen im politischen, wirtschaftlichen und patriarchalen System während der verschiedenen Perioden. Ich werde auf diesen Punkt nicht näher eingehen, da wir ihn später diskutieren können, nur so viel: Erstens wurde das politische System nach 1949 umgestaltet, als die KPCh eine sogenannte „Diktatur des Proletariats“ errichtete. Staatliche Institutionen und Praktiken wurden eingeführt, weiterentwickelt und später angepasst. Die KPCh und der neu gestaltete autoritäre Staat überlebten alle Brüche und Veränderungen.
Zweitens wurde das Wirtschaftssystem in den frühen 1950er Jahren durch die Landreform und später die Kollektivierung, die Verstaatlichung der Industrie und die Einführung der Planwirtschaft tiefgreifend verändert. Mit der Konsolidierung des sozialistischen Systems wurden jedoch neue Formen der Ungleichheit und der Klassenspaltung geschaffen. Sie bildeten nicht nur die Grundlage für die wiederholten Wellen von Kämpfen, die ich beschrieben habe, sondern auch für die Einführung der Marktwirtschaft und den Übergang zum Kapitalismus in den 1980er und 1990er Jahren.
Drittens wurde das patriarchale System nach der Befreiung 1949 verändert. Die rechtliche Stellung von Frauen* in der Volksrepublik China wurde gestärkt, und Frauen* verrichteten zunehmend Lohnarbeit. Allerdings wurde bald deutlich, dass die Verbesserungen für Frauen* begrenzt waren. Zum Beispiel wurden Frauen* in ländlichen Kollektiven und städtischen Arbeitseinheiten immer noch systematisch diskriminiert, und sie mussten immer noch den größten Teil der Reproduktionsarbeit leisten. Das ist im Übrigen bis heute so. In der Übergangsperiode und in der kapitalistischen Periode waren Frauen* neuen Angriffen ausgesetzt, wie der Ein-Kind-Politik und der sexistischen Arbeitsteilung für Migrantinnen* in städtischen Fabriken oder Dienstleistungen. In jeder Periode wehrten sich Frauen* und feministische Bewegungen gegen die Angriffe auf die Lebensbedingungen von Frauen*, aber sie erlitten auch mehrmals schwere Rückschläge – zuletzt in Form der reaktionären Geschlechterpolitik des gegenwärtigen KPCh-Regimes und seinen Angriffen auf feministischen Aktivismus.
Zum Schluss will ich noch ein paar Anmerkungen machen. Der Hauptteil des Buches bietet eine kurze historische Darstellung der Entwicklungen in der Volksrepublik China und insbesondere der Kämpfe von Arbeiter:innen, Bäuerinnen und Bauern, Migrant:innen und Frauen* sowohl im Sozialismus als auch im Kapitalismus. In den Schlussfolgerungen gehe ich auf mehrere Fragen ein. Zwei davon möchte ich hier erwähnen. Die erste Frage ist: Können wir uns einen grundlegenden revolutionären Wandel in der Volksrepublik China vorstellen? Viele von uns werden wahrscheinlich lachen und sagen: „Nein, natürlich können wir das nicht!“ Das macht Sinn, denn die gegenwärtige Situation der sozialen Bewegungen und der linken Organisierung in China ist in der Tat schwierig. Meiner Meinung nach ist das Regime der KPCh jedoch nicht so stabil, wie es uns glauben machen will. Außerdem bieten die globale Krise und die Instabilität im Allgemeinen mehr Möglichkeiten für Bewegungen von unten als etwa in Situationen, in denen das kapitalistische Weltsystem eher stabil war. Hinzu kommt, dass neue Zyklen sozialer Umwälzungen oft dann auftreten, wenn die politische Linke sie überhaupt nicht erwartet, wie es Mitte der 1960er und Ende der 2000er Jahre der Fall war.
Eine zweite Frage in den Schlussfolgerungen lautet: Was sollen wir tun, während wir auf einen solchen neuen Zyklus von Kämpfen oder eine revolutionäre Situation warten? Natürlich sollten wir die Situation analysieren und soziale Bewegungen und linke Organisierungsprozesse von unten in China und anderswo unterstützen. Das tun viele von uns bereits. Meiner Meinung nach sollten wir die Zeit auch nutzen, um aus den Erfahrungen früherer Kämpfe und revolutionärer Versuche wie in der Volksrepublik China zu lernen, um eine neue linke Strategie zu entwickeln, welche die Fehler der Vergangenheit vermeidet. Diese Strategie sollte nicht nur die Grenzen dieser früheren Versuche berücksichtigen – Klassenspaltung, Nationalismus, Geschlechterdiskriminierung, Umweltzerstörung, die alle im Fall der KPCh-Herrschaft in China offensichtlich waren und sind. Sie sollte auch die neueren Erfahrungen sozialer Kämpfe in anderen Teilen der Welt berücksichtigen, die einige dieser Beschränkungen angegriffen haben – zum Beispiel, indem sie versucht haben, global zu handeln, Formen von Basisdemokratie in den Bewegungen zu etablieren und sich gleichzeitig gegen kapitalistische Ausbeutung, staatliche Unterdrückung und alle Formen der Diskriminierung zu wenden.
Ich hoffe, dass mein Buch einen Beitrag zu diesen Diskussionen über linke Praktiken und Strategien leisten kann – Strategien, die dazu beitragen können, einen neuen Zyklus von Kämpfen in der Volksrepublik China und anderswo zu ermöglichen. Ein solcher Zyklus wird hoffentlich in der Lage sein, das revolutionäre Projekt zu vollenden, das die KPCh in den frühen Stadien ihrer Existenz vielleicht noch angepeilt, später jedoch aufgegeben hat.
KL: Vielen Dank, Ralf, dass Du uns einen prägnanten Überblick Deiner Argumentation und Deines Buches gegeben und auch wichtige politische Fragen aufgeworfen hast. Wie Du schon sagtest, ist dieses Buch als politische Intervention geschrieben. Ich erinnere mich, dass Du mir vor langer Zeit gesagt hast, dass Du bewusst nicht in der akademischen Wissenschaft arbeiten wolltest. Stattdessen hast Du dich auf politische Aktivitäten konzentriert. Daher die Frage an Dich, in welcher Weise Dein eigener politischer Hintergrund, Dein Werdegang und Deine Interessen dieses Buch und Deine anderen Texte geprägt haben?
RR: Zur Frage, warum ich keine akademische Laufbahn einschlagen wollte, möchte ich zunächst sagen, dass ich in den 1980er Jahren tatsächlich an der Universität studierte. Ich kam aus den radikalen sozialen Bewegungen der frühen 1980er Jahre, und in meinen Kreisen wurde nicht akzeptiert, wenn jemand eine akademische Laufbahn einschlagen wollte. Es machte damals auch keinen Sinn, denn wir dachten, wir machen Revolution. Warum sollten wir an die Universität gehen und dort lehren, wenn unser Hauptziel war, unser politisches Projekt konsequent zu Ende zu führen. In gewisser Weise hatte ich das Glück, diese radikale Mobilisierung in meiner Jugend zu erleben, die mein Leben und das Leben anderer um mich herum geprägt hat. Ich kann mich an niemanden von damals erinnern, der in der akademischen Wissenschaft gelandet ist. Das hat sich natürlich später geändert.
Mehrere Einflüsse haben mein Denken und meine Praxis geprägt, angefangen mit Debatten, die in den 1960er und 1970er Jahren entstanden, als eine revolutionäre Hoffnung existierte und breit diskutiert wurde. Dazu gehören die Kritik des Staates, die sich auch gegen die marxistisch-leninistischen Strömungen jener Zeit richtete, und die Kritik der kapitalistischen politischen Ökonomie. Letzteres war in meinen damaligen politischen Kreisen neu. Viele Leute waren mehr an subkulturellen Aktivitäten interessiert, während einige von uns begannen, Marx’ Kapital und Kritiken daran zu lesen. Im Laufe der Jahre wurde ich stark von globalen Perspektiven beeinflusst. Das begann schon vor langer Zeit und verstärkte sich, als ich und andere Beverly Silvers Buch Forces of Labor ins Deutsche übersetzten und wir uns mehr mit diesem „operaistischen“ Teil des Weltsystemansatzes beschäftigten.[2] Und ein starker Einfluss waren die feministischen Debatten seit den 1980er Jahren.
Ich möchte noch etwas anderes erwähnen. Ich bin in Westdeutschland aufgewachsen, aber ich hatte Kontakte zu linksradikalen Gruppen in Ostdeutschland und später in Polen. All das hat mich stark beeinflusst, genauso wie die Erfahrungen, die ich in China gemacht und mitbekommen habe – Erfahrungen, die mir zeigten, wie der real existierende Sozialismus aussah und was er für die „einfachen“ Leute, Arbeiter:innen, Frauen* und auch linke Aktivist:innen oder organizers bedeutete.
KL: Du sagtest, Du hast in Ostdeutschland und in Polen gelebt, und Du bist immer noch in der Solidaritätsarbeit mit der Arbeiter:innenbewegung in Polen engagiert. Wie stellst Du die Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen deines Aktivismus in Deutschland, in Polen und in China her?
RR: Diese Frage ist schwer zu beantworten. Was ich tue, ist eher Improvisation, der Versuch, verschiedene Aktivitäten miteinander zu vereinbaren. Bevor ich Anfang der 2000er Jahre begann, in und um China aktiv zu werden und Untersuchungen zu machen, lebte ich in einem halben Dutzend anderer Länder. Ich lernte von verschiedenen linken Gruppen unterschiedliche Ansichten, Konzepte und Strategien für Veränderungen kennen. Ich habe versucht, die Trennung zu überwinden, die viele linke Aktivist:innen machen zwischen einerseits dem Job oder der Arbeit für Geld, also dem, was sie tun, um über die Runden zu kommen, und andererseits ihren politischen Aktivitäten. Ich habe also auf dem Bau gearbeitet, in Call Centern, in Fabriken, in verschiedenen Jobs; und wir, also ich und andere aus den politischen Gruppen, zu denen ich damals gehörte, intervenierten dort, setzen uns mit anderen Arbeiter:innen zusammen und versuchten, gemeinsam mit ihnen Debatten und Widerstand zu organisieren, während wir gleichzeitig von ihnen lernten. Wir diskutierten dies als eine Praxis, die ihren Ursprung in der italienischen conricerca hat, was im Deutschen gewöhnlich mit „militante Untersuchung“ übersetzt wird.
In China konnte ich das nicht tun, denn als Weißer* und Ausländer* ist es schwierig, in proletarischen Berufen zu arbeiten. Also musste ich meine Strategie ändern und mich auf Interviews und Debatten mit Arbeiter:innen und Aktivist:innen konzentrieren, die das taten, was ich gerne getan hätte: in Fabriken arbeiten, zum Beispiel, und mit Arbeiter:innen zusammen aktiv werden. Ich konzentrierte mich auch auf die Übersetzung von Büchern, persönlichen Berichten und anderen Erzählungen von Arbeiter:innen, Genoss:innen, linken Aktivist:innen und linken Akademiker:innen aus China. Dazu gehören Bücher über die Situation in Foxconn-Fabriken, über die dagongmei, also Wanderarbeiterinnen in Weltmarktfabriken, und über ähnliche Themen.[3]
Abgesehen von den Aktivitäten rund um China habe ich in den letzten Jahren den Versuch von Amazon-Arbeiter:innen aus Polen, Deutschland, Frankreich und anderen Ländern unterstützt, sich grenzüberschreitend zu organisieren und Kämpfe zu verbinden.[4]
KL: Warum hast Du das Buch gerade jetzt geschrieben und veröffentlicht? Und was ist anders an Deinem Buch im Vergleich zu, zum Beispiel, Maurice Meisners Mao’s China and After, das zu einem Standardwerk zur Geschichte der Volksrepublik China geworden ist?
RR: Es gibt eine Reihe interessanter Bücher: Das Buch von Meisner oder Chinese Workers von Jackie Sheehan. Es gibt auch neuere Bücher, die ich für wichtig halte, wie Joel Andreas’ Disenfranchised.[5] Ich sehe mein Buch nicht in Konkurrenz mit diesen anderen Büchern. Ich betrachte es als eine Intervention, wie ich bereits sagte, als eine bestimmte Interpretation der Geschichte der Volksrepublik China, die ich mit Menschen aus dem Großraum China und anderswo diskutieren möchte. Viele Linke sind verwirrt und wissen nicht, was in der Volksrepublik China vor sich geht und wie man sich mit dem, was das KPCh-Regime tut, auseinandersetzen oder wie man dagegen vorgehen soll. Wie ist zum Beispiel die Unterdrückung von Feministinnen oder von Arbeiteraktivist:innen zu verstehen und was können wir dagegen tun? Das Buch bietet eine besondere Sichtweise, eine andere Perspektive.
Ich habe das Buch nicht für China-Expert:innen geschrieben, sondern für Menschen, die nur wenig Zugang zu dem von mir verwendeten Material und der gesamten Debatte haben, Menschen, die erfahren wollen, was in den letzten siebzig Jahren in der Volksrepublik China passiert ist, und zwar von jemandem, der an dieser Debatte beteiligt war und ist und eine besondere linke Perspektive auf diese Geschichte hat.
KL: Wir haben eine Frage aus dem Publikum, die gut zu der nach der Periodisierung passt. Du betrachtest vier Zeiträume. Könntest Du uns erklären, wie Du auf diese gekommen bist? Und inwieweit ist die von Dir herausgearbeitete Periodisierung einzigartig für die Geschichte der Volksrepublik China? Können wir das wiederkehrende Muster von Kämpfen, Gegenmaßnahmen und Reformen auch in anderen Kontexten oder anderen Ländern finden?
RR: Ich begann zunächst, über bestimmte Perioden zu lesen und zu schreiben, ohne eine strenge Periodisierung vorzunehmen. Ich wollte vielmehr bestimmte Phasen von Kämpfen und Reaktionen verstehen. Die Matrix im Buch, also die Tabelle, welche die Perioden und die Dynamik der Kämpfe und Gegenmaßnahmen zeigt, habe ich erst entworfen, nachdem die meisten Kapitel bereits geschrieben waren.
Und zur zweiten Frage: Ich habe darüber nachgedacht, ob wir dieses Muster auch in anderen Ländern beobachten können. Ja, ich denke schon, aber ich will damit nicht sagen, dass die Geschichte immer so abläuft. Im Rückblick klingt die Geschichte oft logisch, und wir erkennen solche Muster, aber das bedeutet nicht, dass sich die Entwicklung Chinas auf diese Weise fortsetzen wird. Vielleicht wird sie es, vielleicht aber auch nicht. Das Erkennen von Mustern hilft dabei zu verstehen, was in der Vergangenheit passiert ist – und vielleicht hilft es uns, besser auf die Zukunft vorbereitet zu sein.
KL: Ein Aspekt dabei ist, dass die Periodisierung mit dem Kriegskapitalismus, der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der neoliberalen Periode in Westeuropa und Nordamerika zusammenfällt. Inwieweit siehst Du dieses Muster und die Zyklen von Kämpfen und staatlichen Reaktionen in der Volksrepublik China als Teil einer globalen Geschichte?
RR: Entwicklungen außerhalb der Volksrepublik China hatten einen großen Einfluss auf die Entwicklungen innerhalb der Volksrepublik China. Da sind zum Beispiel die Entwicklungen in der sozialistischen Welt, wie die Unterstützung durch die Sowjetunion in den 1950er Jahren oder Entwicklungen des globalen Kapitalismus in den 1980er und 1990er Jahren. Die antikolonialen Debatten und Kämpfe fanden Widerhall in der Volksrepublik China, innerhalb der Kommunistischen Partei und auch in Rebellengruppen während der Kulturrevolution. Wir können viele Verbindungen und Einflüsse in beide Richtungen erkennen, sowohl zu den Bewegungen in der Volksrepublik China als auch zu den antikolonialen Bewegungen, die sich beispielsweise auf den Maoismus bezogen. Interessanterweise hat Arif Dirlik jedoch einmal geschrieben, dass die Bewegung von 1968 in vielen Ländern nicht so wichtig für China war, während die chinesische Kulturrevolution für viele Bewegungen in anderen Ländern eine wichtige Rolle spielte.[6]
Natürlich spielten das Ende des sozialistischen Blocks in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren sowie die Schocktherapie, über die wir letzte Woche bei der Veranstaltung mit Isabella Weber gesprochen haben, eine große Rolle für die Veränderungen in der Volksrepublik China.[7] Darüber hinaus ist es wichtig festzuhalten, dass die Transformation und der Übergang zum Kapitalismus nicht das Ergebnis eines Masterplans waren, den die KPCh-Führung aufgestellt und durchgeführt hätte. Es handelte sich vielmehr um einen allmählichen Wandel und eine langsame Entwicklung, die nur deshalb möglich war, weil der globale Kapitalismus an einem Punkt angelangt war, an dem die Kapitalisten im Globalen Norden nach neuen Quellen von Arbeitskräften suchten. In den 1970er und 1980er Jahren suchten sie zunächst in den so genannten Tigerstaaten in Ostasien und auch in Lateinamerika. Und dann griff das globale Kapital auf die ländlichen Arbeitskräfte zu, die ihm das KPCh-Regime in den 1990er Jahren bereitwillig zur Ausbeutung anbot. Die Wanderarbeiter:innen in der Volksrepublik China wurden somit zur größten Arbeiter:innenklasse und ermöglichten den Aufbau der „Fabrik der Welt“ und damit den „Aufstieg“ der Volksrepublik China. Die Entwicklung der Volksrepublik China und des globalen Kapitalismus waren also eng miteinander verbunden.
KL: In Deinem Buch beschreibst Du die Zeit von 1949 bis Mitte der 1950er Jahre als Aufbau des Sozialismus und die Zeit von Mitte der 1950er bis Mitte der 1970er Jahre als chinesischen Sozialismus. Danach listest Du auf, wie das System von verschiedenen linken Positionen aus charakterisiert wird. Einige nannten es Sozialismus, andere Staatssozialismus, Staatskapitalismus oder eine andere Form von Kapitalismus. Könntest Du erläutern, warum Du diesen Zeitraum als „Sozialismus“ bezeichnest und nicht als „Staatssozialismus“ oder etwas anderes?
RR: Die Entscheidung, einen bestimmten Begriff für die Anfangszeit zu verwenden, war eher pragmatisch. Kürzlich hat Karl Gerth ein Buch veröffentlicht, das sich mit den Warenmärkten und dem Konsum in der Frühphase der Volksrepublik China befasst. Gerth besteht darauf, dass es sich dabei um Kapitalismus handelte.[8] Es ist ein interessantes Buch, aber ich bin nicht mit der Entscheidung einverstanden, diesen Zeitraum einfach als kapitalistisch zu bezeichnen. Meines Erachtens ist es wichtig, die Besonderheiten dieses Systems herauszustellen, das in den 1950er Jahren in der Volksrepublik China aufgebaut wurde und etwa zwanzig Jahre lang bestand, bevor es entscheidend umgestaltet werden sollte.
Ich möchte alle ermutigen, auch nicht über den Sozialismus oder den Kapitalismus zu sprechen, sondern im Plural von Sozialismen und Kapitalismen. Tobias ten Brink tut Letzteres beispielsweise in seiner Beschreibung des gegenwärtigen Kapitalismus in der Volksrepublik China.[9] Meiner Ansicht nach handelte es sich von den 1950er bis zu den 1970er Jahren um eine besondere Form des real existierenden Sozialismus, der sich in vielerlei Hinsicht vom Kapitalismus unterschied. Dennoch räume ich ein, dass es Aspekte dieses spezifischen Sozialismus der Volksrepublik China gibt, die auch kapitalistische Volkswirtschaften auszeichnete. Aus diesem Grund war es auch relativ einfach, die Form des Sozialismus in der Volksrepublik China schrittweise in ein System umzuwandeln, das ich als kapitalistisch bezeichne.
Der Kapitalismus der Volksrepublik China, wie er sich in den 1990er Jahren und später entwickelte, ist, um das noch einmal zu betonen, nicht derselbe Kapitalismus, wie wir ihn beispielsweise in den USA sehen. Es gibt eine lange Tradition, die Sowjetunion und den Sozialismus osteuropäischer Prägung mit dem Modell der Volksrepublik China zu vergleichen und die Unterschiede hervorzuheben. Das Gleiche gilt für verschiedene Arten von Kapitalismus, zum Beispiel den spezifisch deutschen Kapitalismus, den polnischen Kapitalismus oder den US-amerikanischen Kapitalismus. Wir sollten uns nicht nur auf eine Kategorie beschränken und sicherstellen, dass wir auch über die Unterschiede sprechen.
Es wird komplexer, wenn wir über die Rolle der Arbeiter:innenklasse und die Frage sprechen, wie die Arbeiter:innenklasse den Übergang gesehen hat. In der Phase des Sozialismus, zwischen Mitte der 1950er und Mitte der 1970er Jahre, gab es nicht nur eine homogene Arbeiter:innenklasse, sondern eine in vielerlei Hinsicht geteilte Arbeiter:innenklasse. Mir gefällt das kürzlich erschienene Buch Disenfranchised von Joel Andreas, aber ich möchte eine Sache erwähnen: Joel beschreibt die sich verändernde Situation vor allem der Arbeiter:innen in größeren staatlichen Betrieben. Als sozialistische Arbeiter:innenklasse und Minderheit war sie in gewisser Weise privilegiert. In der Volksrepublik China lebten achtzig Prozent immer noch auf dem Lande. Selbst in den Städten erhielten nicht alle Arbeiter:innen das volle Sozialpaket. Es gab nicht eine städtische Arbeiter:innenklasse, sondern verschiedene Arbeiter:innenklassen oder eine komplexe Klassenzusammensetzung.
Wir müssen auch sehen, wer in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren an den Kämpfen beteiligt war, die ich im Buch beschreibe, und wer ein Interesse daran hatte, die sozialistischen Strukturen zu erhalten, und wer nicht. Bestimmte Arbeiter:innen, die Privilegien besaßen, verteidigten ihre Bedingungen, ihre festen Arbeitsplätze, ihre Sozialleistungen. Andere Arbeiter:innen erreichten nie den Status, den einige der Arbeiter:innen in den großen staatlichen Industrien hatten. Sie waren eher geneigt, die Reformen zu begrüßen, und setzten ihre Hoffnung auf Veränderungen. Ähnliches lässt sich über einen Teil der Bauernschaft sagen.
KL: Während des Übergangs zum Kapitalismus in den 1990er Jahren gab es einen militanten Widerstand staatlich Beschäftigter gegen die Privatisierung, gegen Entlassungen und gegen Fabrikschließungen. Ich frage mich, wie Du die Reaktionen der Arbeiter:innenklasse darauf in den 1980er und 1990er Jahren siehst. Und wie erinnern sich die Menschen in der Volksrepublik China heute daran?
RR: Wir müssen bedenken, dass selbst Menschen, die jetzt in ihren Dreißigern sind, nicht am eigenen Leib erfahren haben, was und wie der historische Sozialismus oder der real existierende Sozialismus war. Das ist in Deutschland, Polen oder anderen osteuropäischen Ländern nicht anders. Jeder, der fünfzig oder älter ist, erinnert sich und hat eine bestimmte Position zur sozialistischen Periode. Das kann Nostalgie sein oder Wut und das Gefühl, dass der Sozialismus, wie er existierte, auch ausbeuterisch und autoritär war.
Die Volksrepublik China erlebte in den 1990er und 2000er Jahren den Aufstieg neomaoistischer Tendenzen und Gruppen. Seitdem üben einige von ihnen scharfe Kritik an den Marktreformen und betrachten das KPCh-Regime als kapitalistisch oder sogar als rechtsgerichtet. Einige von ihnen mussten in letzter Zeit vorsichtiger sein, da das Regime die Repression gegen linke Gruppen verstärkt hat. Das ist wichtig festzuhalten: Menschen machten sich maoistisch geprägte Gedanken zum Klassenkampf, entdeckten oder betonten wieder die Kritik am Kapitalismus und auch an bestimmten Formen der KPCh-Herrschaft im Sozialismus. Um 2010 gab es unter ihnen einen Generationswechsel. Zuvor waren die maoistischen Debatten von Leuten dominiert worden, die aus den Rebellengruppen der Kulturrevolution hervorgegangen waren und in den 1970er und 1980er Jahren an anderen Mobilisierungen teilgenommen hatten. Einige von ihnen waren auch in den Kämpfen der späten 1980er Jahre und in den Kämpfen in den Staatsbetrieben in den späten 1990er Jahren beteiligt.
Um 2010 übernahm eine Generation junger Aktivist:innen die Initiative, die ebenfalls vom Maoismus beeinflusst ist. Ihre Analysen und Praktiken konzentrieren sich auf den Aufstieg der neuen migrantischen Arbeiter:innenklasse. 2010 war der Höhepunkt der Kämpfe der Wanderarbeiter:innen. Junge Aktivist:innen begannen in Fabriken zu arbeiten, weil sie an diesen Kämpfen beteiligt sein wollten. Ich habe viele Debatten darüber geführt, wie sie den Sozialismus sehen. Meiner Meinung nach ist ihre Perspektive oft verdreht, da sie idealisieren, worum es Mao und den Rebellengruppen während der Kulturrevolution ging und was der Charakter des sozialistischen Systems war, aber das ist eine andere Geschichte.
KL: Lass uns diesen Punkt weiter ausführen, denn der zweite Teil der letzten Frage bezieht sich auch auf die Frage, was die Alternative ist. Die maoistischen Student:innen sind sehr daran interessiert, die Mao-Ära und die sozialistische Zeit neu zu bewerten oder zu betrachten. Glaubst Du, dass das Früchte trägt? Oder handelt es sich um ein randständiges Phänomen, das auf kleine Gruppen maoistischer Student:innen, Aktivist:innen oder Intellektuelle beschränkt ist?
RR: In der Volksrepublik China ist es schwierig, solche politischen Debatten zu organisieren und viele Menschen, auch neue, einzubeziehen. Diese Art von politischen Aktivitäten wird unterdrückt. Es ist also schwer, das genau zu erfassen. Meine Erfahrung ist, dass, wenn man mit Arbeiter:innen, jungen Leuten oder Student:innen in der Volksrepublik China spricht, viele von ihnen sich der aktuellen Probleme des chinesischen Kapitalismus bewusst sind. Das reicht von wirtschaftlichen Problemen bis hin zu Unterdrückung und zu Geschlechterpolitik oder der Art und Weise, wie der Staat versucht, Frauen* vorzuschreiben, was sie tun und wie sie leben sollen. Die Menschen sind sich dieser Dinge bewusst. Das heißt aber nicht, dass sie unbedingt denken, dass die KPCh für all das verantwortlich ist. Viele Menschen kritisieren eher den Chef des Unternehmens, in dem sie arbeiten, oder die lokale Regierung.
Was die linken Aktivist:innen betrifft, so hängen die allermeisten dem Maoismus als dominierender linker Tradition an. Es gibt andere Traditionen, wie den Anarchismus, der vor einhundert Jahren wichtig war, den Trotzkismus und Einflüsse, die aus den Bewegungen der 1960er Jahre in anderen Ländern kamen, aber in Bezug auf Texte, Quellen und ältere Genoss:innen, auf die man sich beziehen kann, ist der Maoismus dominierend.
Für uns, die aus anderen politischen Richtungen kommen und eine kritische Haltung gegenüber dem Maoismus und der Art und Weise, wie er diese besondere Form des Sozialismus geprägt hat, haben, ist wichtig, für Debatten offen zu bleiben und die Leute zu ermutigen, ihre eigenen Nachforschungen anzustellen und die maoistischen Erzählungen selbst zu hinterfragen.
In der radikalen oder weniger radikalen Linken außerhalb der Volksrepublik China gibt es Tendenzen, welche die Volksrepublik China immer noch für sozialistisch halten und das KPCh-Regime aus unterschiedlichen Gründen unterstützen. Mit diesen jüngeren, basisorientierten maoistischen Kreisen in der Volksrepublik China habe ich in der Regel keine Probleme, eine gemeinsame Grundlage zu finden, wenn ich das Regime als kapitalistisch kritisiere. Wir haben vielleicht Schwierigkeiten und Probleme in Bezug auf nationalistische Tendenzen oder die Bedeutung von Diskussionen über das Patriarchat und andere Themen. Wenn es jedoch um den Klassenkampf der Arbeiter:innen gegen die kapitalistische Ausbeutung geht, finden wir in der Regel eine gemeinsame Basis.
KL: Lass uns das Gespräch auf die jüngste Periode von Mitte der 1990er Jahre bis heute lenken, die Du in Deinem Buch als kapitalistisch bezeichnest. Was veranlasst Dich, diesen Begriff zu verwenden?
RR: Das erste Buch, das ich aus dem Chinesischen übersetzt habe, wurde von Pun Ngai (Pan Yi) und Li Wanwei in den frühen 2000er Jahren veröffentlicht. Es beschreibt das Schicksal der dagongmei (junger Wanderarbeiterinnen in Fabriken) und benutzt ihre koushu, ihre mündliche Geschichtserzählung. Sie befragten Dutzende von Wanderarbeiterinnen zu ihren Erfahrungen. Eine junge Wanderarbeiterin sagte:
“Auf der Unteren Mittelschule lasen wir einiges über marxistische Theorie. Als die Lehrer uns den Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen in der kapitalistischen Gesellschaft erläuterten, gingen sie auch auf die unmenschliche Ausbeutung der Arbeiter ein. Damals begriffen wir das nicht. Dann kam ich nach Shenzhen, um hier zu arbeiten. Da kapierte ich allmählich, wie die Kapitalisten die Arbeiterinnen unterdrücken und ausbeuten.”[10]
Das Wichtigste, das wir bei der Beschreibung der aktuellen Situation in der Volksrepublik China berücksichtigen sollten, sind die Erfahrungen dieser Arbeiter:innen, der Frauen* und anderer Gruppen, ihr tägliches Leben und ihre sozialen Beziehungen. Die Wanderarbeiter:innen haben lange Arbeitszeiten. Sie sind mit Ausbeutung, einem hierarchischen Arbeitssystem und einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung konfrontiert. Davon erzählen sie, wenn man sie nach ihren Erfahrungen fragt, und das schreiben sie in ihren Berichten.
Das war Mitte der 2000er Jahre, und seither hatte ich nie Zweifel daran, dass es sich um ein kapitalistisches System handelt. Allerdings müssen wir natürlich anerkennen, dass die Form des Kapitalismus oder die Form, welche die Kapitalistenklasse angenommen hat, sich von der in anderen Teilen der Welt unterscheidet. Das betrifft zum Beispiel die Rolle des Staates, die Art und Weise, wie er in die Wirtschaft eingreift und einen großen Teil des Finanzsektors und die Währung kontrolliert, ohne sich vollständig für die globalen Finanzmärkte zu öffnen. Das könnte in der Zukunft noch geschehen, aber bisher ist es nicht dazu gekommen. Wichtig ist auch die Art und Weise, wie der Staat Teile der privaten Kapitalistenklasse kontrolliert, wie wir in den letzten Jahren gesehen haben.
Das heißt jedoch nicht, dass es sich nicht um Kapitalismus handelt. Für mich ist Staatseigentum an sich kein Zeichen für Sozialismus und schon gar nicht für einen Sozialismus, der verspricht, uns in eine Gesellschaft jenseits von Ausbeutung und Unterdrückung zu führen. Für mich ist das immer noch das Ziel. Der Kapitalismus als globales System, wie er in Europa, in anderen Teilen der Welt und auch in der Volksrepublik China existiert, muss überwunden werden. Er produziert viel Leid und viele Probleme für Arbeiter:innen, für Frauen*, für andere Unterdrückte.
Wir müssen uns organisieren und ihn überwinden, ohne zu dem Modell zurückzukehren, das wir in der Sowjetunion und in der Volksrepublik China erlebt haben. Wir brauchen eine andere Form, die tatsächlich in den Händen der Menschen selbst liegt. Nach meinem Verständnis war der Sozialismus in der Volksrepublik China nie ein Staat oder eine Gesellschaft der Arbeiter:innen, sondern eine Gesellschaft unter der Kontrolle und Führung der KPCh.
Wenn ich mit linken Aktivist:innen aus China spreche, ist das nichts, worüber wir streiten. Ich habe noch niemanden getroffen, der genau zu dieser Art von Regime zurückkehren möchte. Es muss eine Form der Basisdemokratie geben, in der die Kontrolle über alle Aspekte der Gesellschaft bei der Basis liegt, einschließlich aller wirtschaftlichen, sozialen und politischen Bereiche.
KL: Du sagtest, dass die KPCh trotz all dieser Veränderungen, Unruhen und Brüche immer noch an der Macht ist. Welche Veränderungen haben dazu beigetragen, dass die Partei schon einhundert Jahre existiert und das Regime die letzten siebzig Jahre überstanden hat?
RR: Zunächst einmal hätte die Geschichte auch anders verlaufen können. Das KPCh-Regime stand mehrmals vor seinem Ende, insbesondere während der Kulturrevolution und während der Bewegung von 1989. Hätten die Menschen andere Entscheidungen getroffen, wäre die Armee nicht zweimal bereit gewesen, einzugreifen und die Herrschaft der KPCh in den späten 1960er und in den späten 1980er Jahren zu retten, dann hätte es anders ausgehen können. Kräfte innerhalb der Partei hatten zeitweise unterschiedliche Konzepte und bekämpften sich gegenseitig. Hätte sich eine andere Fraktion oder ein anderer Teil der Führung durchgesetzt, hätte sich die KPCh und die PRC auch in andere Richtungen entwickeln können.
Du deutest eine Sache an, die ich für wichtig halte. Die KPCh-Führung hat zu bestimmten Zeiten Wege gefunden, sich selbst neu aufzustellen, ihre Strategien experimentell zu verfeinern und „aus der Praxis zu lernen“. Auf diese Weise konnte sie das bestehende System schrittweise umgestalten und stabiler machen. Diese Flexibilität, welche die KPCh an den Tag legte, steht im Widerspruch zu Korruption und Vetternwirtschaft. Dennoch hat die Partei einen Weg gefunden, auf Herausforderungen zu reagieren und historische Chancen zu nutzen, die sich durch die bereits erwähnten Entwicklungen des globalen Kapitals, durch die globale Krise im Jahr 2008 und auch durch die globale Instabilität heute ergeben haben.
Ob die Parteiführung immer noch so flexibel ist und es auch weiterhin sein wird, weiß ich nicht. Die Tendenz zu noch autoritäreren, zentralistischen Formen der Regierungsführung in den letzten Jahren unter Xi Jinping deutet darauf hin, dass sich etwas verändert hat und die Partei diese Fähigkeiten verlieren könnte. Der Fraktionszwist innerhalb der Parteiführung war auch eine Möglichkeit, verschiedene Strategien zu verfolgen und sich für die bestgeeignete Strategie zur Bewältigung bestimmter Herausforderungen entscheiden zu können. So gibt es krisenhafte Elemente in Chinas Wirtschaft, wie Blasen, Ungleichgewichte und Abhängigkeiten. Und nicht zuletzt gibt es viel Wut in verschiedenen Teilen der Arbeiter:innenklasse, weil sie Verbesserungen erwartet haben und weiter warten, diese tatsächlich zu bekommen.
KL: Du hebst auch in Deinem Buch hervor, dass es Momente gab, in denen die Dinge hätten anders verlaufen können. Aber eine Sache hat sich nicht geändert, und das ist das ideologische Beharren der Partei auf einer Form des Marxismus. Warum beharrt sie öffentlich auf dem Marxismus, obwohl, wie ich vermute, nur wenige Menschen ihre Version des Marxismus ernst nehmen?
RR: So erstaunlich das auch scheinen mag, sie nehmen das ernst! Wir müssen anerkennen, dass die in den 1950er und 1960er Jahren entwickelten politischen Konzepte auf einem Verständnis des Marxismus-Leninismus als Konzept des Klassenkampfes basierten. Die Art und Weise, wie die KPCh ihn damals verwendete, müssen wir auf jeden Fall kritisch reflektieren. Die große Veränderung kam jedoch in den 1980er Jahren, als die Parteiführung diesen Teil ihrer eigenen politischen Konzepte aufgab und zu einem Begriff von „sozialen Schichten“ im Sinne Max Webers und der Integration der Gesellschaft überging. Bestimmte Aspekte des Marxismus wurden beibehalten, aber die Parteiführung versteht den Marxismus als eine Art Wissenschaft, die sie zur Lenkung der Wirtschaft und der Gesellschaft einsetzen kann.
Ich habe eine seltsame Geschichte von einem Genossen in Hongkong gehört. Ein Freund von ihm aus der Linken besuchte eine Konferenz über den Marxismus in der Volksrepublik China, auf der Wissenschaftler:innen aus der Volksrepublik, die der KPCh nahe stehen, über den Marxismus debattierten. Einer der KPCh-nahen marxistischen Gelehrten wandte sich an jenen Freund und sagte etwas wie: „Ich habe gehört, dass man im Westen immer noch denkt, dass der Marxismus eine Theorie des Klassenkampfes wäre. Das ist irgendwie rückständig, wir sind darüber hinweg.“ Wir müssen also anerkennen, dass sich die KPCh-Führung auf Marx beruft und seinen Geburtstag feiert. Ihre Art von Marxismus unterscheidet sich jedoch von dem, was die meisten Linken, einschließlich der Linken in der Volksrepublik China, als revolutionäre Theorie oder Praxis betrachten auf der Grundlage dessen, was Marx geschrieben und getan hat. Wir sollten das ernst nehmen! Sie nutzen es für ihre eigenen Zwecke und zur Förderung ihres KPCh-Modells der Führung einer Gesellschaft und Wirtschaft.
KL: Auf welche Art von Verwirrung bist Du im europäischen Kontext gestoßen, wenn Menschen in der Linken über China nachdenken?
RR: Schauen wir uns an, was sich in den letzten zwanzig Jahren verändert hat. Als ich anfing, mich in den frühen 2000er Jahren auf China zu konzentrieren, bestand mein Hauptproblem darin, dass außerhalb der Volksrepublik China viele Menschen die sozialen Kämpfe dort nicht mitbekamen. Viele dachten, chinesische Arbeiter:innen seien alle gehorsam, und einige teilten das sexistische Bild der „kleinen chinesischen Frauen, die in den Fabriken schuften und sich überhaupt nicht wehren“. Meine Hauptaufgabe bestand damals darin, zu betonen, dass es in der Volksrepublik China mehr Streiks gab als anderswo und dass es eine lange Tradition des Widerstands, der Aufstände und der Untergrabung der Herrschaft der herrschenden Klassen gibt. Das war eine wichtige Diskussion in den 2000er Jahren.
Heute liegt der Konflikt woanders. Nach all den Veränderungen in der Welt und dem Aufstieg Chinas als Konkurrent der von den USA dominierten kapitalistischen Kernländer, als Konkurrent um die Weltherrschaft sogar, sieht man innerhalb der Linken eine Strömung von Leuten, die – zu Recht – den US-Imperialismus kritisieren und angreifen, die aber die Volksrepublik China als eine Art Gegengewicht missverstehen. Das erinnert mich an Debatten in den 1980er Jahren und davor, mit ihrer ähnlichen Argumentation zur Sowjetunion und zum „Ostblock“. Einige Leute unterstützten die Sowjetunion, weil sie diese als eine Macht gegen den US-Imperialismus sahen, während sie die dortigen Kämpfe von unten ignorierten: linke Proteste sowie Kämpfe für Befreiung, gegen Ausbeutung und für Verbesserungen. Und das Regime in der Sowjetunion griff hart gegen diese Kämpfe durch – wie die KPCh heute in der Volksrepublik China.
Für mich, für Dich und für andere ist das befremdlich. Was soll ich den Genossinnen und Genossen in China sagen? Etwa so etwas wie: „Ihr werdet keine Unterstützung bekommen, weil es wichtiger ist, den US-Imperialismus zu bekämpfen“? Das macht keinen Sinn. Ich denke, es ist wichtig, sich auf die Kämpfe der Arbeiter:innen, der Frauen* und Feministinnen und anderer sozialer Bewegungen wie der Umweltaktivist:innen zu konzentrieren und eine Perspektive „von unten“ einzunehmen. Es ist wichtig, diese Kämpfe auf eine Art und Weise zu unterstützen, die Grenzen zwischen Ländern, Grenzen zwischen Menschen mit unterschiedlichem politischem Hintergrund überwindet, und die auch den globalen Klassenkampf und den revolutionären Wandel im Blick hat.
KL: Nachdem wir die Geschichte der Volksrepublik China aus dieser Perspektive „von unten“ und der des Klassenkampfes betrachtet haben, was sind die Lehren für heute, für Aktivist:innen, die soziale Bewegungen und Basisaktivismus in China verfolgen und unterstützen wollen?
RR: Die erste Lektion besteht darin, die gängigen und vorherrschenden Erzählungen darüber zu hinterfragen, was im real existierenden Sozialismus geschah und was heute geschieht. Dazu gehören Erzählungen in der Linken, die sich auf bloße Menschenrechtsdebatten konzentrieren und kapitalistische Ausbeutung oder patriarchale Unterdrückung ignorieren.
Eine andere Sache ist, dass wir bei genauerer Betrachtung des revolutionären Versuchs anerkennen müssen, dass die KPCh und viele Menschen, welche die KPCh unterstützten, in der Anfangsphase die Vision eines revolutionären Wandels hatten. Was ist also schiefgelaufen? Um nur ein Beispiel zu nennen: Das KPCh-Regime leitete die Arbeitseinheiten, die Unternehmen, mit dem so genannten „Ein-Mann-Regiment“, das vom sowjetischen oder stalinistischen Modell kopiert wurde und die Betriebsleitung durch einen Kader vorsah; dann führte es eine Art Mitverwaltung der Arbeiter:innen ein, die nicht wirklich funktionierte und nie zur Übergabe der Kontrolle über die Produktion an die Arbeiter:innen führte.
Es hat natürlich keinen Sinn, sich ein idealisiertes Bild davon zu machen, was hätte sein können oder was in der Zukunft geschehen könnte. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was heute geschieht. Im Moment erleben wir eine schwierige Zeit, nicht nur in der Volksrepublik China, sondern auch in anderen Regionen. Aber ich denke, dass wir vor zehn Jahren einen Zyklus von Kämpfen hatten, und vor der Pandemie gab es den Beginn eines weiteren globalen Zyklus von Kämpfen. Wer weiß, was ohne die Covid-19-Pandemie daraus geworden wäre. Kombinieren wir also die historische Analyse des Sozialismus mit einer Analyse dieser neueren Erfahrungen, und beziehen wir auch die chinesischen Genoss:innen und ihre Erfahrungen mit ein. Dann können wir eine globale Perspektive für den revolutionären Wandel entwickeln.
Literatur
Andreas, Joel, Disenfranchised. The Rise and Fall of Industrial Citizenship in China (Oxford: Oxford University Press, 2019).
Dirlik, Arif, „The Third World“, in 1968: The World Transformed, herausgegeben von Carole Fink, Philipp Gassert und Detlef Junker (Cambridge: Cambridge University Press, 1998), 295–317.
Gerth, Karl, Unending Capitalism. How Consumerism Negated China’s Communist Revolution (Cambridge: Cambridge University Press, 2020).
Meisner, Maurice, Mao’s China and After: A History of the People’s Republic. Dritte Ausgabe (New York: The Free Press, 1999).
Pun Ngai und Li Wanwei, dagongmei: Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erzählen. Übersetzt und herausgegeben von Ralf Ruckus (Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2008).
Ruckus, Ralf, Die Linke in China. Eine Einführung (Wien/Berlin: Mandelbaum, 2023), https://www.gongchao.org/de/die-linke-in-china.
Ruckus, Ralf, The Communist Road to Capitalism. How Social Unrest and Containment Have Pushed China’s (R)evolution since 1949 (Oakland: PM Press, 2021), https://www.gongchao.org/en/the-communist-road-to-capitalism.
Ruckus, Ralf, „Confronting Amazon“. Jacobin, 31. März 2016, https://tinyurl.com/3d48t8zf.
Sheehan, Jackie, Chinese Workers: A New History (London: Routledge, 1998).
Silver, Beverly, Forces of Labor. Arbeiterbewegungen und Globalisierung seit 1870 (Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2005).
ten Brink, Tobias, Chinas Kapitalismus: Entstehung, Verlauf, Paradoxien (Frankfurt: Campus, 2013).
Weitere Quellen
Hao Ren u.a., Streiks im Perlflussdelta. ArbeiterInnenwiderstand in Chinas Weltmarktfabriken, übersetzt und herausgegeben von Ralf Ruckus (Wien/Berlin: Mandelbaum, 2014), https://www.gongchao.org/de/streiks-buch.
Der Operaismo und seine Kritik, drei Bände (herausgegeben auf Chinesisch, 2018), https://www.gongchao.org/cn/gongrenzhuyi-ji-qi-pipan)
Pun Ngai, Lu Huilin, Guo Yuhua und Shen Yuan (Hrsg.), iSlaves. Ausbeutung und Widerstand in Chinas Foxconn-Fabriken, übersetzt und herausgegeben von Ralf Ruckus (Wien/Berlin: Mandelbaum, 2013),https://www.gongchao.org/de/islaves-buch.
Pun Ngai, Ching Kwan Lee et al., Aufbruch der zweiten Generation. Wanderarbeit, Gender und Klassenzusammensetzung in China (Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2010),https://www.gongchao.org/de/aufbruch-buch.
Unruhen in China. Beilage der Zeitschrift wildcat #80, 2007, https://www.gongchao.org/de/unruhen-heft.
Wu Yiching, Die andere Kulturrevolution. 1966–1969: Der Anfang vom Ende des chinesischen Sozialismus, übersetzt und herausgegeben von Ralf Ruckus (Vienna/Berlin: Mandelbaum, 2019), https://www.gongchao.org/de/die-andere-kulturrevolution; Übersetzung des Buches The Cultural Revolution at the Margins. Chinese Socialism in Crisis [Harvard University Press, 2014]).
Zhang Lu, Arbeitskämpfe in Chinas Autofabriken, übersetzt und herausgegeben von Ralf Ruckus (Vienna/Berlin: Mandelbaum, 2018), https://www.gongchao.org/de/auto-buch; Übersetzung des Buches Inside China’s Automobile Factories [Cambridge University Press, 2014]).
Endnoten
[1] Die englische Aufnahme des Webinars ist verfügbar unter https://nqch.org/2021/10/16/the-communist-road-to-capitalism-in-china. Für die schriftliche Version wurde der Text angepasst und gekürzt.
[2] Silver, Beverly, Forces of Labor. Arbeiterbewegungen und Globalisierung seit 1870 (Berlin: Assoziation A, 2005).
[3] Eine Liste ausgewählter Bücher, die Ralf Ruckus übersetzt und veröffentlicht hat, findet sich am Ende dieses Transkripts.
[4] Als früher Bericht erschien dazu: Ruckus, Ralf, „Confronting Amazon.“ Jacobin, 31. März 2016, https://tinyurl.com/3d48t8zf. Mehr zu dem grenzübergreifenden Organisierungsversuch der Amazon-Arbeiter:innen findet sich unter https://amworkers.wordpress.com.
[5] Meisner, Maurice, Mao’s China and After: A History of the People’s Republic. 3rd edition (New York: The Free Press, 1999); Sheehan, Jackie, Chinese Workers: A New History (London: Routledge, 1998); Andreas, Joel, Disenfranchised. The Rise and Fall of Industrial Citizenship in China (Oxford: Oxford University Press, 2019).
[6] Dirlik, Arif, „The Third World“, in 1968: The World Transformed, herausgegeben von Carole Fink, Philipp Gassert und Detlef Junker (Cambridge: Cambridge University Press, 1998), p. 293.
[7] Siehe das Transkript der Veranstaltung mit Isabella Weber in der hier verfügbaren englischen Fassung des Buches China von unten: China from Below, https://www.gongchao.org/en/china-from-below.
[8] Gerth, Karl, Unending Capitalism. How Consumerism Negated China’s Communist Revolution (Cambridge: Cambridge University Press, 2020).
[9] ten Brink, Tobias, Chinas Kapitalismus: Entstehung, Verlauf, Paradoxien (Frankfurt: Campus, 2013).
[10] Pun Ngai und Li Wanwei, dagongmei: Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erzählen. Übersetzt und herausgegeben von Ralf Ruckus (Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2008), S. 149.